Inhaltsverzeichnis

Kapitel 1 Ausgangspunkt & methodische Konsequenzen

 

Kapitel 2 Die „Lippe-zu"-Übung

 

Kapitel 3 Die Crescendo-Übung

 

Kapitel 4 Luftführung am Papier & Flüstermelodie

 

Kapitel 5 Das Dudelsack-Prinzip

 

Kapitel 6 Oktavtransfer im Dudelsack-Modell

 

Kapitel 7 Körpergebrauch & Alexandertechnik

 

Nachwort

 

Glossar

 

Literaturverzeichnis


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Vorwort

„Dudelsack“ – das klingt zunächst nach schottischer Folklore, nach kernigem Klang und mittelalterlichem Markttreiben. Was hat dieses Bild in einem Buch über Trompetenspiel verloren?

Der Ausgangspunkt war meine eigene Suche nach einem leichteren und zuverlässigeren Spiel. Dabei rückten die Tätigkeit der Zunge und der dafür verfügbare Raum im Mund immer stärker in den Mittelpunkt. Aus dieser Arbeit entwickelte sich eine Spielvorstellung, die ich später im Bild des Dudelsacks anschaulich wiederfand.

Der Arm wirkt auf den gefüllten Sack, der Sack bietet Raum, und die abgegebene Luft wird durch Nachblasen ergänzt. Für meine Spielvorstellung entspricht dem Arm die Zungenaktivität, dem Sack der Mundraum und dem Nachblasen die Atemunterstützung. Der lockere Kiefer ermöglicht den Raum, den die Zunge für ihre Arbeit braucht.

Die Zunge führt – die Atemunterstützung antwortet.

Diese Aufgabenverteilung begleitet die Übungen des Buches. Ihre ausführliche Darstellung folgt in Kapitel 5, ergänzt durch die Anschauungsbilder der Fahrradpumpe und des Balls.

Was zunächst der Selbstkorrektur diente, wurde im Laufe der Zeit zu einem wichtigen Teil meines Unterrichts. Besonders hilfreich erwies sich dabei eine einfache Abfolge: einen Vorgang ohne Instrument erfahren, seine Qualität bemerken und ihn anschließend beim Spielen wiedererkennen. Dieses bewusste Bemerken und die Lockerheit des Kiefers bilden zwei wesentliche Grundlagen der Methode.

Das Buch richtet sich an Lehrkräfte und Studierende, die ihre bestehenden Fertigkeiten aus einer anderen Perspektive betrachten möchten. Es ergänzt die Arbeit an Klang und musikalischer Vorstellung um einen gezielten Zugang zur Tätigkeit im Mundraum. Die Übungen und Anschauungsbilder vermitteln die daraus entwickelte Spielauffassung. Ihr Wert zeigt sich im Spielen: an einer leichteren Ansprache, einem tragfähigen Klang und weniger unnötiger Anstrengung.

Die Kapitel bauen aufeinander auf. Zunächst wird ein einzelner Ton vorbereitet, dann sein Verlauf gestaltet und schließlich eine Melodie verbunden. Die Übertragung in eine höhere Lage folgt auf dieser Grundlage. Geduld gehört dazu: Ein vertraut gewordener Ablauf lässt sich verlässlicher weiterentwickeln als ein zufällig gelungener hoher Ton.

 

Kapitel 1

Ausgangspunkt und methodische Konsequenzen

Schon während meines Trompetenstudiums spielte ich mehrere Jahre als Solotrompeter im Gustav Mahler Jugendorchester sowie im Bruckner Orchester Linz. Mein Ideal war ein kräftiger, tragfähiger Klang mit präziser Artikulation und der nötigen Durchsetzungsfähigkeit im Orchester. Dennoch fehlten mir in höheren Lagen häufig stabile Reserven. Mein Spiel unterlag Formschwankungen; bei intensiver Belastung ließen sich die Unsicherheiten mit meiner kraft- und luftintensiven Spielweise nicht dauerhaft ausgleichen.

Parallel zur Orchestertätigkeit war und bin ich als Trompetenlehrer tätig. Diese Verbindung von eigenem Musizieren und Unterricht führte dazu, dass ich mein Spiel zunehmend hinterfragte. Besonders die Beschäftigung mit der Barocktrompete brachte eine Neuorientierung. Der von mir gesuchte schlankere Klang und die feine Ansprache in der Höhe verlangten nach einer anderen Koordination.

Wichtige Impulse erhielt ich durch die Auseinandersetzung mit Vincent Cichowicz und der Methode von Malte Burba sowie durch den Austausch mit Daniel Forsnabba. Forsnabbas Beschreibung von Fortschritt als wachsender „Geschicklichkeit“ war für mich besonders anregend. Sie lenkte meine Aufmerksamkeit auf die Zungenarbeit und das Zusammenwirken innerer Spielvorgänge. Weitere Anregungen kamen aus der Alexandertechnik.

Aus dieser Suche entwickelte sich eine Spielvorstellung, in der die Tätigkeit der Zunge und der dafür verfügbare Raum im Mund besondere Bedeutung erhielten. Übungen mit Pfeifen und Flüstern halfen mir, diese Zusammenhänge wahrzunehmen und auf das Trompetenspiel zu übertragen. Das Bild des Dudelsacks erwies sich später als passende Veranschaulichung dieser bereits entwickelten Vorstellung.

Der Kiefer gibt Raum

Der lockere Kiefer gehört für mich zu den zentralen Voraussetzungen eines freien Trompetenspiels. Seiner Bedeutung wird im Unterricht meiner Ansicht nach häufig zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Über Lippen, Luft und Zunge wird ausführlich gesprochen; der Raum, in dem diese Tätigkeiten zusammenfinden, bleibt dabei leicht im Hintergrund.

Ein festgehaltener oder zu eng geführter Unterkiefer verändert die Ausgangsbedingungen für die Zungenarbeit. Deshalb suche ich eine ruhige, bewegliche Kieferstellung, die genügend Raum lässt. Die Zunge soll ihre Aufgabe ausführen können, ohne dass der Kiefer jede Veränderung mitvollziehen oder durch zusätzliche Spannung absichern muss.

„Locker“ bedeutet dabei weder kraftlos noch möglichst weit geöffnet. Der Unterkiefer wird nicht absichtlich nach unten gedrückt. Die Vorstellung, ihn fallen zu lassen, kann helfen, unnötige Haltearbeit nachzulassen und eine passende Öffnung zu finden.

Eine vertraute Orientierung bietet das gewöhnliche Pfeifen. Dabei suchen wir meist selbstverständlich eine Kieferöffnung und eine Form im Mundraum, mit denen der gewünschte Klang gelingt. Diese Erfahrung lässt sich nutzen: Wie fühlt sich der Kiefer an, wenn das Pfeifen leicht geht? Welcher Raum entsteht dabei? Und kann etwas von dieser Selbstverständlichkeit beim Ansetzen der Trompete erhalten bleiben?

Eine weitere Orientierung ist das „whispered ah“ aus der Alexandertechnik, auf das Kapitel 7 zurückkommt. Entscheidend ist zunächst, ein lockeres Kiefergefühl kennenzulernen und es während der weiteren Übungen immer wiederzufinden.

Zuerst erfahren und bemerken

Ein wesentlicher Gedanke meiner Methode ist das Bemerken.

Oft versuchen wir beim Üben, eine Bewegung oder Spannung bewusst herzustellen, bevor wir überhaupt wissen, wie sich ein hilfreicher Ablauf anfühlt. Ich gehe nach Möglichkeit den umgekehrten Weg: Eine einfache Aufgabe schafft die Gelegenheit, dass etwas gelingt. Dann wird wahrgenommen, was dabei geschieht.

Pfeifen und Flüstern eignen sich dafür besonders gut. Sie sind vertraut und erlauben, Veränderungen im Mundraum unmittelbar zu hören und zu spüren. Der Anspruch, gleichzeitig einen schönen Trompetenton erzeugen zu müssen, fällt zunächst weg.

Beim anschließenden Übergang zum Instrument interessiert mich vor allem der Moment, in dem der Ton anspricht. Was hat sich verändert? Welche Tätigkeit wird an der Zunge bemerkbar? Ist der Kiefer dabei locker geblieben?

Die erste Aufgabe besteht darin, diese Erfahrung zu erkennen. Erst mit zunehmender Vertrautheit wird versucht, sie bewusst wiederaufzugreifen. So entsteht aus einem zunächst beiläufig bemerkten Vorgang eine verfügbare Fertigkeit.

Diese Unterscheidung ist für den Unterricht wichtig. Die Aufforderung „Bewege die Zunge!“ kann zu einer unnötig großen Aktion führen. Die Frage „Was hast du gerade bemerkt, als der Ton entstanden ist?“ lenkt die Aufmerksamkeit auf die tatsächlich hilfreiche Tätigkeit.

Die Zunge als führende Tätigkeit

Die Zunge wird im Trompetenunterricht häufig zuerst über die Artikulation bewusst. In dieser Methode steht ihre Arbeit im Mundraum im Vordergrund. Beim Sprechen, Essen oder Pfeifen verfügen wir bereits über differenzierte Bewegungsmöglichkeiten. An diese Erfahrungen knüpfen die Übungen an.

Die gesuchte Tätigkeit wird oft als feine Aktivierung nach vorn-oben wahrgenommen. Dabei muss keine große Bewegung sichtbar oder spürbar werden. Mit wachsender Geschicklichkeit kann eine kleine, gezielte Aktivität ausreichen, um den Spielverlauf deutlich zu beeinflussen.

Die Zunge führt – die Atemunterstützung antwortet.

Dieser Satz beschreibt die Ausrichtung meiner Spielabsicht. Die Aufmerksamkeit gilt zunächst der Tätigkeit im Mundraum. Die Atemunterstützung stellt sich darauf ein und liefert die benötigte Luft nach. Das Gefühl von „Stütze“ wird so als zugehörige Antwort erfahren.

Der lockere Kiefer bleibt dabei wesentlich. Er gibt der Zunge den Raum, in dem ihre Tätigkeit wirksam und differenziert werden kann.

Warum das Dudelsackbild dazu passt

Das Bild des Dudelsacks macht diese Aufgabenverteilung anschaulich. Der Arm wirkt auf den gefüllten Sack und bringt die darin vorhandene Luft zum Ausströmen. Der Sack braucht ausreichend Raum, und die abgegebene Luft wird durch Nachblasen ersetzt.

In meiner Spielvorstellung entspricht dem Arm die Tätigkeit der Zunge. Der Sack steht für den verfügbaren Mundraum, den der lockere Kiefer ermöglicht. Das Nachfüllen entspricht der Luftnachlieferung durch die Atmung.

Damit verbindet das Bild drei Erfahrungen, die in den Übungen immer wiederkehren: Die Zunge ist tätig, der Kiefer gibt Raum, und die Atmung versorgt den Vorgang mit Luft. Kapitel 5 erläutert diesen Zusammenhang ausführlicher und ergänzt ihn durch die Anschauungsbilder der Fahrradpumpe und des Balls.

Wie die Übungen zusammengehören

Die „Lippe-zu“-Übung erschließt den Übergang vom Flüstern zum Trompetenton. Dabei wird die Zungenaktivität zunächst entdeckt.

Die Crescendo-Übung führt diese Tätigkeit über den Tonbeginn hinaus weiter. Ein bereits entstandener Ton wächst, während der Spieler die innere Aktivität wahrnimmt und der Kiefer locker bleibt.

Die Übung mit dem Papier macht einen gezielten Luftstrahl mit geringem Aufwand erfahrbar. Die Flüstermelodie verbindet die Arbeit im Mundraum mit einem musikalischen Verlauf. Auf dieser Grundlage wird später die Übertragung in eine höhere Lage erarbeitet.

Die einzelnen Schritte dürfen unterschiedlich viel Zeit beanspruchen. Ein zufällig gelungener Ton ist noch keine vertraute Fertigkeit. Entscheidend ist, ob der Ablauf wiedergefunden und zunehmend selbstverständlich ausgeführt werden kann.

Dabei bleibt das Hören die wichtigste Rückmeldung. Die Aufmerksamkeit für den Mundraum dient dem musikalischen Ergebnis: einer verlässlichen Ansprache, einem tragfähigen Klang und einem Spiel, das mit weniger unnötiger Anstrengung gelingt.

 

 

Kapitel 2

 

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