
Die hier vorgestellte Spielauffassung ist aus einer persönlichen Suche entstanden. Sie ergänzt bewährte Konzepte um einen Zugang über Wahrnehmung, Flüstern und Zungenführung. Ihre Übungen sollen helfen, eine günstigere Koordination zu finden und im musikalischen Zusammenhang verfügbar zu machen.
Das bewusste Bemerken bleibt dabei der Ausgangspunkt: Was beim leichten Versuch gelingt, wird erkannt und wiedergefunden. Der lockere Kiefer gibt der Zunge den Raum, in dem ihre Tätigkeit sich entwickeln kann.
Die Bausteine lassen sich unterschiedlich gewichten. Manche Spieler finden über das „pü“ rasch einen leichteren Tonbeginn; andere brauchen mehr Zeit für den Übergang der Lippenstellung. Wieder andere entdecken den Zusammenhang zunächst im Crescendo oder in einer verbundenen Melodie. Solche Unterschiede gehören zur Arbeit mit Menschen.
Die beschriebenen Folgen sind deshalb keine abschließenden Übungskataloge. Studien, Etüden und musikalische Passagen bieten weiteres Material. Eine kurze Stelle kann zuerst geflüstert und dann gespielt werden; ein Crescendo kann zum Anlass werden, die Führung bis zum Ende wahrzunehmen. So kehrt die technische Erfahrung dorthin zurück, wo sie gebraucht wird: in die Musik.
Dabei bleibt das Hören wesentlich. Die Aufmerksamkeit für den Ablauf ersetzt nicht die Klangvorstellung. Sie soll ermöglichen, diese Vorstellung mit weniger unnötiger Anstrengung zu verwirklichen. Eine Übung hat ihren Zweck erfüllt, wenn ihre Erfahrung im Spielen zunehmend selbstverständlich wird.
Es gibt keine Abkürzung, die das geduldige Erwerben von Fertigkeiten ersetzt. Aha-Momente können ermutigen; tragfähig werden sie durch Wiederholung und durch das Verständnis der eigenen Voraussetzungen. Das Dudelsackbild ist dafür ein Werkzeug. Es darf helfen, die Aufgaben neu zu ordnen: Die Zunge führt, die Atemunterstützung antwortet, die Lippen schwingen und der Kiefer gibt Raum.
Alexandertechnik
Eine Lehre des Körpergebrauchs. Im Zusammenhang dieses Buches sind besonders das Innehalten vor gewohnten Reaktionen und eine bewegliche Koordination von Kopf, Hals und Rumpf von Bedeutung. Siehe Kapitel 7.
Ansatz
Die für das Spielen vorbereitete Koordination im Lippen- und Mundbereich. Die Lippen bleiben schwingungsfähig; ihre Form und Spannung wirken mit Atemversorgung und Instrument zusammen.
Atemunterstützung und Stütze
Die zur Spielaufgabe passende Bereitstellung von Luft und Druck. „Nachgeordnet“ bezeichnet in dieser Methode die Reihenfolge der Spielabsicht: Die Aufmerksamkeit gilt der Zungenführung, die Atemkoordination wird als abgestimmte Reaktion erlebt. Beim gehaltenen Ton wirken beide zusammen.
Ballbild
Anschauungsbild für Luftabgabe und Nachlieferung. Der Ball steht für den Luftvorrat im Mundraum, die Hände für die Zungenaktivität und die Pumpe für die Atemversorgung. Siehe Kapitel 5.
Bemerken
Eine beim gelingenden Versuch entstehende Tätigkeit bewusst wahrnehmen. Erst danach wird versucht, diese Erfahrung gezielt wiederaufzugreifen. Das Bemerken ist ein wesentlicher Lernschritt der Methode.
Crescendo-Übung
Fortführung der beim Tonbeginn entdeckten Zungenaktivität über einen wachsenden Tonverlauf. Klangzuwachs, stabile Tonhöhe und ein lockerer Kiefer geben Rückmeldung. Siehe Kapitel 3.
Dudelsackbild
Anschauungsbild für die Spielvorstellung: Der Arm entspricht der Zungenaktivität, der gefüllte Sack dem Mundraum und das Nachblasen der Atemunterstützung. Der lockere Kiefer gibt den benötigten Raum. Siehe Kapitel 5.
Energiebalance
Bezeichnung für die erlebte Abstimmung von Zungenführung, Atemversorgung und schwingungsfähigen Lippen. Der Begriff wird besonders beim Oktavtransfer verwendet.
Flüsterlippe und M-Form
Die Flüsterlippe ist die leicht gerundete Stellung für das hörbare „pü“. Beim Übergang zum Instrument löst sie sich in eine ruhige Spielvorbereitung, für die das beginnende „mmm“ als Bild dient. Die M-Form bedeutet keinen festen Lippenverschluss während des Durchhauchens. Siehe Kapitel 2.
Flüstermelodie
Eine auf „pü“ vorbereitete Melodie, deren hörbarer Verlauf eine Orientierung für das anschließende Spielen bietet. Zunächst werden die Töne gleitend verbunden. Siehe Kapitel 4.
Flüsterton
Der ohne Stimme erzeugte, tonhöhenartig wahrnehmbare Klang des hier beschriebenen „pü“. Er wird aus dem leisen Pfeifen hergeleitet und dient als Hör- und Wahrnehmungshilfe.
Glissando und innere Linie
Das Glissando macht beim Flüstern eine kontinuierliche Veränderung hörbar. Beim Spielen wird daraus die Vorstellung einer verbundenen inneren Linie; ein hörbares Glissando auf der Trompete ist dafür nicht erforderlich.
Hüt-Übung
Die im Notenbeispiel „düü-ü-hüt“ dargestellte Bindefolge. Der kurze Ton auf „hüt“ knüpft an das Wasserspucken an und macht die lokale Zungenaktivität erfahrbar. Jede Zeile wird zunächst geflüstert und anschließend gespielt.
Kardinalvokale nach Malte Burba
Die Vokalreihe a–ä–e–i wird im hier angesprochenen Übungszusammenhang zur differenzierten Arbeit mit Zunge, Lippen und Kiefer verwendet. Die vorliegende Methode knüpft daran an; für die vollständige Anleitung wird auf Burba verwiesen.
Kiefer locker
Eine ruhige, bewegliche Stellung mit Raum für die Zungenarbeit. Gemeint ist weder größtmögliche Öffnung noch ein absichtliches Herunterdrücken.
Lip-Buzzing
Ein Lippenton ohne Mundstück. In dieser Methode dient Lip-Buzzing als zusätzliche Orientierung für passende Kieferöffnung, Mundraum und die ruhige „mmh“-Stellung. Siehe Kapitel 2.
Lippe-zu-Übung
Übergang von der geflüsterten Vorbereitung über einen Luftstrom durch die Trompete zum klingenden Ton. Die Lippenöffnung wird allmählich verkleinert; die Zungenaktivität wird zunächst beobachtet und später bewusst wiederaufgegriffen. Siehe Kapitel 2.
Mundhöhlentöne
Kurze Töne aus einem begrenzten, im Mundraum vorhandenen Luftvorrat. Sie veranschaulichen einen lokalen Luftimpuls und werden hier in Verbindung mit dem Wasserspucken beschrieben.
Oktavtransfer
Wiedererkennen einer vertrauten Flüstervorlage in einer um eine Oktave höheren gespielten Lage. Die Vorbereitung bleibt vertraut, während sich die Gesamtkoordination der höheren Lage anpasst. Siehe Kapitel 6.
Luftführung am Papier
Übung für gezielte Luftführung mit geringem Aufwand. Das umgekehrte Mundstück gibt eine Orientierung, die anschließend mit dem tonhöhenhaltigen „pü“ wiedergefunden wird. Ein kleiner Abstand zum Papier ist erlaubt. Siehe Kapitel 4.
Resonanz
Das bevorzugte Mitschwingen bei passenden Frequenzen. Für die Übungen steht das Zusammenpassen von Mundraum und Instrument im Mittelpunkt. Die Flüstermelodie bereitet die innere Form vor, die beim Spielen wiedergefunden wird. Siehe Kapitel 4.
Vordere Zungenlage
Ausgangsstellung für das hier gemeinte „pü“. Die Zunge befindet sich weit vorne und darf die Kante der unteren Schneidezähne leicht berühren. Sie bleibt für die Formung des „ü“ und die Veränderung der Flüsterhöhe beweglich. Siehe Kapitel 2.
Wasserspucken
Das Befördern einer kleinen Wassermenge durch eine lokale Zungenaktion. Es macht einen gerichteten Impuls im Mundraum erfahrbar und dient als Ausgangsbild für Mundhöhlentöne.
Whispered ah
Das flüsternde „ah“ aus der Alexandertechnik. Es dient hier als Bezugspunkt für die Wahrnehmung eines freien Kiefers und des Körpergebrauchs. Es hat eine andere Aufgabe als das „pü“ der Flüstermelodie.
Zirkularatmung
Atemtechnik, bei der die Luftabgabe kurzzeitig aus dem Mundraum aufrechterhalten wird, während durch die Nase eingeatmet wird. Dieses Buch nutzt vorbereitende Erfahrungen daraus, unterrichtet die vollständige Technik jedoch nicht.
Zungenaktivierung und Zungenführung
Eine feine, anpassungsfähige Aktivität, häufig als Richtung nach vorn-oben erlebt. Sie kann ohne große sichtbare Bewegung wahrgenommen werden. „Führung“ bezeichnet ihren Stellenwert in der Aufmerksamkeit und im Zusammenspiel; starres Festhalten oder maximale Spannung sind nicht gemeint.
